Warum werden bei Festivals nur unzureichend Drogenkontrollen durchgeführt?

Warum werden bei Festivals nur unzureichend Drogenkontrollen durchgeführt?

Die Illusion eines „drogenfreien Festivals“

Viele Festivals behaupten, eine Null-Toleranz-Politik zu verfolgen. Theoretisch klingt das streng und sicher, aber in der Praxis weiß jeder, dass dennoch viele Drogen ins Gelände gelangen. Das Durchsuchen von Personen ist oft die erste Verteidigungslinie, aber diese ist meist nicht so effektiv, wie man denkt. Das wirft die Frage auf: Warum sind sie eigentlich so schlecht darin, nach Drogen zu suchen?

Sicherheit geht vor (aber nicht so, wie du denkst)

Die wichtigste Aufgabe des Sicherheitspersonals besteht nicht darin, alles zu finden. Ihre oberste Priorität sind Ordnung, reibungsloser Ablauf und die Sicherheit der Menschenmenge. Und das verändert alles.

Warum Durchsuchungen in der Praxis nur begrenzt möglich sind

Es gibt mehrere Gründe, warum Kontrollen oberflächlich bleiben oder wenig bringen.

1. Zeit und Durchlauf

Ein Festival muss stündlich Tausende von Menschen hereinlassen. Würde jeder Besucher drei bis fünf Minuten lang gründlich durchsucht werden, käme die gesamte Schlange völlig zum Stillstand. Die Folge: Unruhe, Verärgerung, Staus und manchmal sogar gefährliche Situationen.

2. Man darf nicht einfach alles durchsuchen

Das Sicherheitspersonal darf keine invasiven Maßnahmen durchführen. Das bedeutet:

– Keine intimen Körperbereiche berühren
– Keine Körperhöhlen kontrollieren
– Keine medizinischen Untersuchungen durchführen
– Personen nicht unnötig lange festhalten

Drogen befinden sich nun einmal oft an Stellen, an denen man nicht tasten oder nachsehen darf.

3. Der Sicherheitsdienst ist keine Polizei

Sicherheitskräfte sind zwar geschult, aber keine Ermittlungsbehörde. Sie haben nur begrenzte Befugnisse und müssen sich an die Vorschriften halten. Viele Durchsuchungen dienen daher eher als Abschreckung als als lückenloses Kontrollsystem.

4. Oft muss man abwägen: Was ist schlimmer?

Veranstalter wissen nur zu gut, dass die Leute manchmal doch etwas mitnehmen. Bei Festivals ist das nun mal die Realität:

Bevorzugtes Szenario:
– Nutzer mit geringen Mengen, die in Ruhe ihrem Ding nachgehen

Und nun die Alternative:
– Menschenmassen auf der Straße mit Dealern, Chaos und eskalierende Gewalt

Ein hartes Vorgehen klingt zwar cool, wirkt in der Praxis aber oft kontraproduktiv.

Drogen sind klein, lassen sich kreativ verstecken und sind schwer zu finden

Selbst wenn die Sicherheitskräfte ihr Bestes geben, bleiben Drogen klein, geruchlos und leicht zu verstecken. Es ist praktisch unmöglich, alles aufzuspüren, ohne extreme, die Privatsphäre verletzende oder medizinische Durchsuchungen durchzuführen. Das darf einfach nicht sein.

Warum tun Festivals dann trotzdem so, als ob?

Denn die Botschaft „Wir suchen nicht“ wäre gesellschaftlicher, politischer und in Bezug auf Sponsoren gesehen Selbstmord. Festivals müssen ein Zeichen setzen, aber hinter den Kulissen wissen sie, wie die Realität aussieht: Prävention ist unmöglich, Schadensbegrenzung ist realistischer.

Fazit

Warum werden bei Festivals nur unzureichend Drogenkontrollen durchgeführt? Nicht, weil sie faul sind, sondern weil:

– Sie wenig Zeit haben
– Sie rechtlich eingeschränkt sind
– Ihre Prioritäten Sicherheit und Durchfluss sind
– Es in der Praxis unmöglich ist, alles zu finden

Das Durchsuchen ist daher vor allem symbolisch: Es sorgt für Ordnung im Eingangsbereich, während es bei echter Sicherheit vor allem um die Überwachung der Atmosphäre, Erste Hilfe und Schadensminderung geht – und nicht darum, jedes Gramm zu finden.